Grenzen und Chancen der Besteuerung und Umverteilung von Vermögen

Eine Untersuchung der potenziellen Auswirkungen verschiedener Szenarien der Vermögensbesteuerung und Umverteilung – von moderaten bis hin zu radikalen Ansätzen – auf die Vermögensungleichheit im internationalen Vergleich.

Extreme Vermögensungleichheit wird in vielen Ländern zunehmend als soziales und politisches Problem erkannt (Piketty, 2020). Entsprechend wächst auch das Interesse an politischen Maßnahmen zu ihrer Reduktion – von der Einführung einer globalen Vermögenssteuer (Zucman, 2024) bis hin zu Programmen wie sogenannten „Baby Bonds“ (Hamilton & Darrity, 2010). Doch welche Form direkter Eingriffe in die Vermögensstruktur könnte die Ungleichheit tatsächlich spürbar verringern? Dieses Projekt liefert eine erste deskriptive Einschätzung der potenziellen Verteilungseffekte verschiedener nationaler Szenarien der Vermögensbesteuerung und -umverteilung in 15 Ländern. Dafür simulieren wir unterschiedliche Modelle jährlicher Vermögenssteuern sowie alternative Mechanismen zur Verteilung der Einnahmen und analysieren deren Auswirkungen auf die nationale Vermögensverteilung.

Die bisherigen Ergebnisse – vor allem gestützt auf die Fälle Deutschland und USA – führen zu einer klaren, wenn auch unbequemen Schlussfolgerung: Selbst kombiniert mit ambitionierten Umverteilungsstrategien – etwa universellen Vermögenstransfers oder einer „Rawlsianischen“ Konzentration der Transfers auf die am wenigsten Vermögenden – zeigen Vermögenssteuern auf gängigen Niveaus nur geringe Effekte auf die Ungleichheit und Konzentration von Vermögen. Spürbare Verteilungseffekte würden Steuersätze erfordern, die deutlich über dem liegen, was bislang politisch umgesetzt wurde. Vor diesem Hintergrund erscheinen direkte, aber niedrig angesetzte Vermögensbesteuerung und Umverteilung wenig erfolgversprechend, wenn es um die gezielte Beeinflussung der Vermögensverteilung geht – es sei denn, man denkt deutlich radikalere Steuerkonzepte oder grundlegend andere Formen der Umverteilung an, etwa durch Investitionen der Steuereinnahmen in wohlfahrtsstaatliche Infrastruktur.

Projektbeginn
Oktober 2023
Laufzeit
laufend
Leitung
Prof. Dr. Fabian Pfeffer
Mitarbeitende
Franziska Disslbacher (WU Vienna)
Daniel Rösler
Veröffentlichungen